Harndiagnostik und Harnkultur im Überblick

Die Untersuchung des Harns ermöglicht relativ unkompliziert erste Rückschlüsse auf zugrundeliegende Erkrankungen, insbesondere auf Erkrankungen der Nieren oder ableitende Harnwege. Es gibt verschiedene Methoden, um Harn zu untersuchen, je nach Art des Tests werden unterschiedliche Bestandteile des Harns untersucht. So beinhaltet die Untersuchung die makroskopische Beurteilung des Harns (Farbe, Transparenz) und die Untersuchung mittels Harnstreifen. Zusätzlich kann noch die mikroskopische Beurteilung des Harnsedimentes (nicht lösliche feste Bestandteile des Harns) erfolgen, welche zusätzliche Hinweise auf bestimmte Erkrankungen der Nieren oder der harnableitenden Wege geben können.

Diese drei Untersuchungsmöglichkeiten werden als Urinstatus zusammengefasst. Ergänzend zur Harnstreifenuntersuchung kann bei unklaren Befunden auch das Anlegen einer Harnkultur notwendig sein. 

Was ist eine Harnkultur?

Die Harnkultur dient dem definitiven Nachweis von pathogenen Krankheitserregern im Harn. Hierzu wird die Harnprobe auf entsprechende Nährböden ausgebracht und anschließend auf ein Wachstum von pathogenen Krankheitserregern untersucht.

Warum wird eine Harnkultur gemacht?

Bei unklarer Harnstreifen-Diagnostik oder Vorliegen einer komplizierte Harnwegsinfektion ist die Gewinnung einer Harnkultur zur genauen Erregerdiagnostik notwendig. Als komplizierte Harnwegsinfekte gelten Harnwegsinfekte bei Männern, Kindern, Schwangeren, urogenitalen Vorerkrankungen bzw. Voroperationen oder bei Nierenbeckenentzündungen.

Was ist Harn?

Harn entsteht durch einen komplexen Filtrations- und Resorptionsvorgang (Diurese) in den Nieren und gelangt anschließend über die zwei Harnleiter in die Harnblase, wo er gesammelt und letztlich über die Harnröhre abgegeben wird. Ein gesunder Erwachsener scheidet ca. 1,5 bis 2 Liter pro Tag aus. Dieser Prozess reguliert einerseits den Flüssigkeitshaushalt des Körpers, ebenso werden mit dem Harn auch Stoffwechselendprodukte (wie z.B. Harnsäure und Harnstoff) ausgeschieden, die der Körper nicht mehr braucht. Die Hauptbestanteile des Harns sind Wasser, Harnstoff und Elektrolyte, weiters noch andere Stoffwechselprodukte wie Kreatinin, Harnsäure, organische Säuren, Hormone, wasserlösliche Vitamine und Farbstoffe. Bestimmte Erkrankungen können die Zusammensetzung des Harns beeinflussen bzw. verändern. 

Ein Urinstatus soll durchgeführt werden bei:

  • Verdacht auf eine Harnwegsinfektion
  • Verdacht auf eine Erkrankungen der Nieren oder der ableitenden Harnwege
  • Verdacht auf eine Stoffwechselstörung/-entgleisungen (Diabetes mellitus)
  • Verdacht auf eine akute Erkankung der Leber oder Gallenwege und bei spezieller Form von Blutarmut (hämolytische Anämie)
  • Screening einer chronischen Nierenschädigung bei Bluthochdruck, Diabetes mellitus und rheumatologischer Erkrankungen
  • Schwangerschaftstest

Wozu dient eine Harnstreifen-Untersuchung?

Die Harnstreifenuntersuchung ist eine einfache und kostengünstige Methode zur Basisdiagnostik des Urins. Die Befundung erlaubt wegweisende Rückschlüsse auf Erkrankungen und ggf. notwendige weiterführende Diagnostik. Bei dem Harnteststreifen handelt es sich um ein semiquantitatives Messverfahren mit begrenzter Genauigkeit, weshalb eine Interpretation der Ergebnisse unter Beachtung der wichtigsten Störfaktoren erfolgen muss.

Bei Routine-Untersuchungen wird in der Regel ein Teststreifen herangezogen, der kurz in den Harn getaucht wird. Mit diesen Schnellteststreifen lassen sich verschiedene Inhaltsstoffe im Harn nachweisen und damit Rückschlüsse auf verschiedene Erkrankungen ziehen – z.B. der Verdacht auf einen Harnwegsinfekt bei typischen Symptomen lässt sich einfach und schnell mittels eines Harnteststreifens bestätigen.

Übersicht messbare Parameter bei Harnteststreifen und Rückschlüsse auf mögliche Erkrankungen:

Bei positivem Befund möglicher Hinweis auf:

Erythrozyten (bzw. Hämoglobin/Myoglobin): Renale oder postrenale Erkankungen (Harnblasenentzündung, Nierenbeckenentzündung, Harnsteine, Tumore), Muskelerkrankungen, best. Formen der Blutarmut

Leukozyten: Harnblasenentzündung, Entzündungen im Bereich der Nieren und ableitenden Harnwege, genitale Infektionskrankheiten

Nitrit: Hinweis auf bakteriellen Harnwegsinfekt

Protein: Kurzzeitig erhöht bei akuten Harnwegsinfektionen, bei persistierender Erhöhung - Hinweis auf chronische Nierenschädigung

pH-Wert: Große Schwankungsbreite, abhängig von Ernährung und Tageszeit

Ketone: Verminderte Nahrungsaufnahme, Schwangerschaftserbrechen, schlechte Stoffwechsellage bei Diabetikern (in Zusammenschau mit erhöhtem Blutzucker und Harnzucker)

Glucose: Diabetes mellitus

Bilirubin: Bei Erkrankungen der Leber und Gallenwege

Urobilinogen: Bei Erkrankungen der Leber und Gallenwege, spez. Formen der Blutarmut (Hämolytische Anämie)

Warum wird eine Harnkultur gemacht?

Bei unklarer Harnstreifen-Diagnostik oder Vorliegen einer komplizierten Harnwegsinfektion ist die Gewinnung einer Harnkultur zur genauen Erregerdiagnostik notwendig. Als komplizierte Harnwegsinfekte gelten Harnwegsinfekte bei Männern, Kindern, Schwangeren, urogenitalen Vorerkrankungen bzw. Voroperationen oder bei Nierenbeckenentzündungen.

Durch das Anlegen einer Harnkultur kann die Art und Anzahl der krankmachenden Keime bestimmt werden. Auch kann unterschieden werden, ob es sie um nicht krankmachende Erreger (Kontamination der Harnprobe mit physiologisch vorkommenden Hautkeimen aus dem Umgebungsbereich der Harnröhre) oder um definitiv pathogene Erreger einer Harnwegsinfektion handelt. Werden Bakterien gefunden, prüfen die Mediziner auch, welches Antibiotikum dagegen eingesetzt werden kann.

Dies geschieht, indem unterschiedliche Antibiotika auf die Nährböden aufgebracht werden. Wird die Bakterienkolonie durch das Antibiotikum eliminiert liegt keine Resistenz der Keime gegen das Antibiotikum vor. Sterben sie nicht ab, liegt eine Resistenz der Keime gegen das Antibiotikum vor.

Was sind typische Symptome eines Harnwegsinfektes?

Typische Symptome für eine Harnwegsinfektion sind Schmerzen beim Wasserlassen, Harndrang kombiniert mit häufigem Wasserlassen oder Druckgefühl/Schmerzen im Unterbauch.

Wichtig ist die Abgrenzung auf eine Mitbeteiligung der Nieren bzw. ein Aufsteigen der Blasenentzündung in Richtung Nierenbecken. Zeichen einer Nierenbeckenentzündung können Fieber (Temperatur über 38 C°) und Schüttelfrost, Flankenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl sein.

Wie wird eine Harnprobe genommen?

Am besten eignet sich zur Gewinnung einer Urinprobe der sogenannte Morgen-Harn, der kurz nach dem Aufstehen abgegeben wird. Ansonsten soll die Abgabe der Harnprobe möglichst 3 Stunden nach der letzten Miktion erfolgen. Mittelstrahl-Harn heißt, dass man beim Wasserlassen die erste Harnportion z.B. in das WC ablässt und danach den mittleren Anteil des Harns in einem Probengefäß auffängt. Der Erststrahl-Urin ist in der Regel mit Hautkeimen des Harnröhrenausgangs kontaminiert und führt dadurch zur Verfälschung des Harnbefundes.

Was ist beim Abgeben einer Harnprobe zu beachten?

Unsere Ärztinnen und Ärzte werden sie ausführlich darüber informieren, worauf Sie achten müssen, wenn Sie eine Harnprobe abgeben. Um bei der Untersuchung verwertbare Ergebnisse zu erzielen, ist es wichtig, dass die Harnprobe möglichst nicht durch Hautkeime verunreinigt wird. Die äußeren Genitalien sollten daher vor der Abgabe der Probe mit Wasser gereinigt werden. Bitte achten Sie darauf, dass das Gefäß, in das Sie ihre Probe abgeben, nicht direkt mit dem Körper in Berührung kommt. Einen Tag vor der Probenabgabe sollten Sie auch auf Geschlechtsverkehr verzichten. Bitte informieren Sie uns, wenn Sie an einer Krankheit leiden oder Medikamente einnehmen.

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